Es gibt diese Tage im Jahr, wie Weihnachten und Silvester, die haben einen festen Ablauf, die werden von gewissen Traditionen bestimmt, fast schon vorhergesagt. Denn an diesen Festen wird meistens das gleiche gemacht und zusammen mit der Familie gefeiert. Und dann kam 2020. Ein Jahr in dem viele ihre Traditionen überdenken mussten und anders als sonst gefeiert haben. Ein Jahr in dem ich losgezogen bin, in die Welt, womit sich auch für mich einiges verändert hat.

Weihnachten.

Das Fest der Harmonie. Das Fest der Liebe. Das Fest der Besinnlichkeit. Das Fest an dem man mit der Familie zusammenkommt, sich die Bäuche vollschlägt, lacht, sich umarmt, feiert und das Lichtermeer der Kerzen und Tannenbäume bewundert. Das ist Weihnachten für mich. Aber dieses Jahr war alles anders.

Es war anders für alle. Keiner durfte so frei wie sonst immer Weihnachten feiern, denn es gab Einschränkungen. Einschränkungen die bestimmen wie viele Personen man sehen darf, Einschränkungen die bestimmen was man tun darf. Aber das ist nicht der Grund warum mein Weihnachten anders war. Das erste Mal war ich nicht zu Hause. Ich habe Weihnachten nicht mit meiner Familie gefeiert sondern in unserem Van, auf Sizilien, mit Menschen die ich seit nicht mal einer Woche kannte.

Ich hatte ein bisschen Angst ein Fest nur zu zweit zu feiern, das in fast jeder Kultur ein Fest der Familie ist. Deswegen war es umso schöner mit vier anderen Vanlifern zu feiern mit denen ich mich auf Anhieb verstanden habe. Und ich würde behaupten, dass wir das Allerbeste daraus gemacht haben.

Wir haben alles weihnachtlich dekoriert. Lichterketten zwischen den Bussen aufgehängt, aus Zweigen einen Weihnachtsbaum gebastelt und mit getrockneten Orangen und roten Kugeln geschmückt, Schrottwichtelgeschenke am Strand gesammelt und unter den Baum gelegt, ein drei gängiges Menü gekocht. Jeder Van hat sich um einen Gang gekümmert. Jasper und ich haben zur Vorspeise ein Antipastiboard mit Käse, Oliven, Salami, getrockneten Tomaten und all den italienischen Köstlichkeiten gezaubert. Als Hauptgang gab es Gorgonzola Burger mit geschmorten Birnen, dazu Ofenkartoffeln und McnCheese ala Nikolas und Rebecca. Burger gab es bei Sonnenuntergang und eigentlich so gar keiner Weihnachtsstimmung. Erst als es dann angefangen hat zu dämmern, wir ein Lagerfeuer gemacht haben und Weihnachtslieder gehört haben, hat es sich ein wenig wie Weihnachten angefühlt. Zuletzt wurde der Nachtisch, ein Spekulatius-Schokoladen-Dessert, von Julian und Janine serviert. Alles in allem also ein sehr schöner Abend, mit leckerem Essen und tollen Gesprächen.

Silvester.

Das Fest des Neustarts. Das Fest des Feierns. Das Fest des Tapetenwechsels. Das Fest an dem man mit Freunden und Familie zusammenkommt, Feuerwerk bewundert, auf Vorsätze anstoßt, ein letztes Mal in sich kehrt, sich vom alten Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt.

Gefeiert haben wir auf jeden Fall und auch wieder sehr gut gegessen. Es gab frische Steaks, für mich Sellerieschnitzel, mit Kartoffelgratin, Nudelsalat und gemischten Salat. Den Abend haben wir mit Fotos machen, Gesprächen am Lagerfeuer und viel Bier und Wein verbracht. Um Mitternacht haben wir angestoßen, Wunderkerzen entzündet und das Feuerwerk im Nachbarort beobachtet, was leider viel zu weit weg war um es richtig sehen zu können.

Anders.

Und so ist das wohl. So ist das wenn man sich für einen neuen, ganz anderen Lebensstil entscheidet. Es sind nicht nur die Routinen die sich verändern, die Umgebung welche ständig eine neue ist, es sind vor allem die Tage, die sonst von Traditionen geprägt waren, die sich verändern. Eigentlich bin ich nicht in einer Familie aufgewachsen, in der wir mit vielen Traditionen Weihnachten oder Silvester gefeiert haben. Aber jetzt, wo alles anders ist und war habe ich gemerkt, dass es doch so einige kleine Traditionen gab. Weihnachten sind wir immer in die Kirche gegangen, haben am frühen Abend Bescherung gemacht und den Tag als Familie verbracht. Silvester gab es fast immer Käsefondue und um Mitternacht haben sich alle Nachbarn auf der Straße getroffen um anzustoßen. Das sind unsere kleinen Traditionen gewesen, die dieses Jahr weggefallen sind, denn es gab nicht wirklich eine Möglichkeit in die Kirche zu gehen, auch Geschenke zum Auspacken, materielle Geschenke gab es nicht und auch meine Familie ist nicht bei mir. Silvester konnten wir kein Käsefondue machen und meine Nachbarn sind auch zu Hause geblieben. Aber obwohl es so viele Dinge sind die nicht mehr da sind, Dinge die solche besonderen Tage bestimmt haben, kommen andere Erlebnisse und irgendwann neue Traditionen. Und auch wenn es keine Geschenke gab, wurde ich doch reich beschenkt. Ich bin in einem Bus auf Reisen, abseits von all dem Corona Wahnsinn, mit meiner großen Liebe und lebe das Leben was ich mir immer erträumt habe. Ich habe Menschen kennengelernt mit denen wir immer noch unterwegs sind und wunderschöne Festtage verbracht haben. Es gibt so viele Dinge, Geschenke die das Jahr 2020 für mich bereitgehalten hat und für die ich unglaublich dankbar bin.

Wenn ihr wissen möchtet was wir gemacht haben bevor wir in unserem Wintercamp angekommen sind, dann lest doch einfach meinen letzten Blogbeitrag Sizilien – Zu Besuch auf einer Farm.

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