Musstest Du dich schon einmal verabschieden? Verabschieden von einer gewohnten Umgebung, geliebten Menschen, um ein neues Kapitel deines Lebens aufschlagen zu können? Verabschieden um etwas Neues zu beginnen?

Abschiede…

Abschiede können so verschieden sein. Ein Abschied von geliebten Menschen für die nächsten zwei Wochen, ein Abschied von zu Hause, ein Abschied für immer, ein Abschied von alten Routinen, von der Sicherheit. Und dabei empfindet jeder solche Erlebnisse anders. Ich dachte nicht, dass mir ein Abschied von zu Hause so schwer fällt.

Vor etwa zwei Wochen habe ich mich für einen unbekannten Zeitraum von zu Hause verabschiedet, von meiner Familie, meinen Freunden, der bekannten Umgebung und vor allem habe ich mich von der immer währenden Sicherheit verabschiedet. Und das, das ist mir mit am schwersten gefallen, denn durch das „Aufgeben“ dieser Sicherheit entsteht gleichzeitig eine gewisse Angst vor der kommenden Situation.  Angst sich mit den Freunden auseinanderzuleben, Angst von zu Hause auszuziehen und selbstständig sein zu müssen, Angst vor der Unsicherheit in die ich reise, einfach Angst vor einer Veränderung, die ein großer Schritt in ein eigenes Leben ist.

…und ihre Neuanfänge

Ein Neuanfang geht immer mit einem Abschied einher, denn „Wenn sich eine Türe schließt, geht eine andere auf.“ – Ein Spruch der mir sofort in den Sinn gekommen ist. Bei genauerem Nachdenken passt er aber – glücklicherweise – überhaupt nicht zu meiner Situation. Ja, es öffnet sich eine neue Tür, aber keine alte schließt sich, denn die Türen zu Hause werden mir immer offen stehen. Als ich das realisiert habe, hat mir das meine Ängste genommen. Zumindest meine Ängste, wichtige Menschen zu verlieren oder sich ungewollt zu distanzieren.

Natürlich bin ich Risiken eingegangen, so wie bei jedem neuen Schritt den man geht:

Ich habe die Sicherheit gegen Unsicherheit getauscht, denn wer kann mir denn versichern dass alles gut läuft, immer alles klappt wie man es sich vorstellt? Niemand! Aber genau das macht es aus, die Unsicherheit, das Unbekannte, eine frische Brise die durch die alten Muster weht und die Abenteuerlust weckt. Das ist das was wir Menschen, zumindest ab und an brauchen, etwas Neues was Gänsehaut und Nervenkitzel erzeugt um aufgeweckt zu werden, wieder bewusster zu leben. Einen Schritt aus der eigenen „comfort zone“ zu machen.

Das ist das was ein Abschied und eben auch ein Neuanfang mit sich bringt. Zwar wird die Angst vor der Unsicherheit immer ein bisschen bleiben, denn das Leben lässt sich nur schwer planen, aber man darf den Glauben in das Gute, dass das Richtige passieren wird und alles seinen Grund hat nicht verlieren. Und wie so oft, finden alle Befürchtungen die man zu Beginn hatte, alles was man in Frage gestellt hatte, wovor man Angst hatte, all das findet einen Platz. Es findet einen Platz in einem selbst. Man beginnt zu akzeptieren, dass Befürchtungen und Ängste Teil einer solchen Veränderung sind.

Mein Neuanfang

Mein Neuanfang ist das Reisen. Von einem festen Wohnsitz in München, ein Haus mit Garten, meine Familie, mein eigenes Zimmer in ein zu Hause auf 4 Rädern. 8qm zu zweit. Küche, Schlafzimmer, Bad. Alles ein einziger Raum. Den „Wohnort“ so oft wechseln wie man möchte, täglich, wöchentlich, egal. Unabhängig und frei sein. Keinen Zeitdruck haben. Sich kein Limit, keine Deadline setzen. In der Natur sein, mit der Natur leben. Vor allem mit sich selbst sein. Das ist mein Neuanfang.

Es ist ein Leben was sehr wahrscheinlich alle oder zumindest viele gesellschaftliche Muster und Erwartungen in Frage stellt, denn…

…nein, ich studiere erstmal nicht, obwohl ich mein Abitur gemacht habe.

…nein, ich sichere mir erstmal keinen Job für meine Zukunft, den ich dann mindestens 30 Jahre machen muss.

…nein, ich mache nicht das was von mir erwartet wird. Ich mache nichts „Gescheites“ und habe auch nichts für „Danach“ geplant.

…ja, ich gehe genau jetzt auf Reisen und nicht erst in einem Jahr.

Eigentlich war ich nie jemand der groß aus der Reihe getanzt ist oder auffallen wollte. Ich war doch immer sehr angepasst, habe mich an die Regeln gehalten, meistens das getan was man von mir erwarten würde. Es war richtig das so zu tun und es hatte sicherlich seinen Grund. Vielleicht den, dass ich jetzt umso mehr das tun möchte, was mir mein Herz sagt, was mich glücklich macht, mich bereichert und nicht das, was andere in mir sehen.

Ich freue mich so sehr auf jede Sekunde dieser Reise. Ich möchte mich selbst besser kennenlernen, die Welt erforschen, die Welt verstehen, Menschen treffen, lachen, weinen und Momente sammeln, die ich teilen kann.

. . .

Ein Abschied bedeutet die Trennung von jemanden oder etwas. Ich habe mich von keiner Person getrennt, aber ich habe mich von meinen alten Gewohnheiten, meinen alten Routinen, meinen eignen Erwartungen an mich und von den Erwartungen anderer getrennt. Ich habe Abschied genommen, um mich neu zu erfinden.

Also wagt doch alle mal einen Schritt aus Eurem gewohnten Umfeld heraus. Und selbst wenn es nur die Veränderung einer Routine ist oder das Vorhaben mehr auf sich selbst zu hören. Glaubt mir, es ist erfrischend.

Zur Werkzeugleiste springen