Als wir mit dem Auto nach Wien reingefahren sind, war ich total erstaunt, dass sogar am Stadtrand so viele Lichterketten hängen und Häuser dekoriert sind. Man muss dazu sagen, dass ich die Weihnachtszeit liebe. Alleine in München der riesige Christbaum jedes Jahr, das Glühweintrinken auf den Christkindlmärkten, Weihnachtslieder zu hören und Geschenke zu kaufen, bringt mich in eine richtig weihnachtliche Stimmung. Und so schön Weihnachten in meiner Heimatstadt auch ist, in Wien wirkt alles noch viel atemberauender. So als ob ein Elf aus einem Weihnachtsfilm entsprungen ist und die Stadt verzaubert hat.

Eigentlich war ich aber wegen eines Konzertes in Wien welches zufällig während der Weihnachtszeit war. Kennt ihr Allan Rayman? Wenn nicht, solltet ihr unbedingt mal in seine Musik reinhören. Diese Konzertkarten waren ein Geburtstaggeschenk und so haben drei Freunde und ich beschlossen, alle zusammen auf das Konzert zu gehen und noch einen Tag zu bleiben um die Stadt anzuschauen. Das Konzert war ein super Start für die zwei Tage in Wien. Es war ein sehr kleingehaltenes Konzert im „Flex“ (ist ansonsten ein Club), maximal 150 Menschen, was die Stimmung sehr entspannt hat und das Konzert dadurch intimer wurde. Ich war noch nie auf so einem schönen Konzert, auch durch die Location, es standen überall alte Ledercouches und Kicker rum, eine Bar, überall Graffiti an den Wänden. Es hat perfekt zu Allan Raymans eher alternativen Musik gepasst und ich konnte das Konzert noch mehr genießen, weil wir weder draußen anstanden, noch drinnen um einen guten Platz kämpfen mussten, sondern einfach ein paar Runden Kicker zum Zeitvertreib gespielt haben.

Alte Damen und Rikschafahrer…

Ich wusste, dass wenn ich irgendwann einmal nach Wien fahren würde, gäbe es eine einzige Sache, die ich unbedingt machen möchte: in einem Wiener Kaffeehaus heiße Schokolade trinken und Kuchen essen. In ein Kaffeehaus, wie man es aus den Filmen kennt und in dem sich die alten Damen auf einen Tee treffen, um sich den neuesten Klatsch zu berichten. Das „Café Central“, mitten in Wien, ist wohl eines der bekanntesten und ältesten Kaffeehäuser, denn schon Freud war dort ein Stammgast. Wenn man also vor dem imposanten Gebäude aus dem Jugendstil steht, darf man sich zuerst in eine Schlange aus wartenden Touristen einreihen. Das Warten dauert aber nur halb so lang, wenn man sich mit Gesprächen über die Architektur des Gebäudes oder den Portier, welcher jedem Gast die Türen aufhält, unterhält. Ja und drinnen, da ist es eben wie in einem Film, die hohen Decken mit Stuck verziert, die Kellner, welche gestresst umher laufen, der Duft nach Kaffee, die Vitrine mit den tollsten Törtchen, das Gelächter der sich unterhaltenden Gäste und der Klavierspieler, der mitten im Raum vor einem prächtigen Flügel sitzt. Im Endeffekt habe ich dann für eine heiße Schokolade und ein Maronentörtchen, was so bezaubernd aussah, dass ich es gar nicht essen wollte, doch sehr viel Geld bezahlt, aber man darf sich auch mal was gönnen.

„Kleiner Punkt am Rande, die alten Wiener Damen gehen wahrscheinlich doch in weniger touristische Kaffeehäuser, aber der Flair und der Gedanke, einmal in so einem Kaffeehaus gewesen zu sein, hat meinen Wunsch mehr als erfüllt.“

Um den Abend noch ausklingen zu lassen, sind wir in eine Bar gegangen, die uns am Vortag ein Rikschafahrer empfohlen hat. Von außen fällt die Bar nicht sonderlich auf, außer vielleicht die etwas beschlagenen Fensterscheiben und das sie von oben bis unten, naja wenigstens von der linken bis zur rechten Wand, mehr als voll ist. Am Nachmittag waren wir schon in der Bar um etwas zu trinken. Dabei haben wir entdeckt, dass es ein zweites Stockwerk bzw. eine Art Galerie gibt, von der man auch noch den besten Blick nach unten hat. Die Bar hat uns vollkommen überzeugt und wir haben beschlossen, am Abend wieder herzukommen, insofern wir einen Sitzplatz finden. Und perfekt, genau als wir die Treppe nach oben gegangen sind, wurde derselbe Tisch frei, an dem wir auch am Nachmittag schon saßen. Ich muss sagen, das war die allercoolste Bar in der ich je gewesen bin, obwohl ich in München ein absoluter Café-, Restaurant- und Bargänger bin. Ab abends bis nachts um drei, spielen täglich zwei verschiedene Live-Bands, der Grund warum es immer voll ist und das macht so eine tolle Stimmung. Man unterhält sich auch mit Menschen die man nicht kennt, lauscht ab und zu wieder der Musik und unten wird getanzt bis die Füße wehtun.

Nochmal nach Wien?

JA, auf jeden Fall! Dieser Kurztrip nach Wien war schöner als ich ihn mir davor ausgemalt hatte. Ich habe so viele Erinnerungen gesammelt, mich von dieser wunderschönen Stadt und ihrem Weihnachtszauber inspirieren lassen. Es war wie eine kurze Auszeit zwischen all dem Alltagsstress, die trotz der vielen Eindrücke und des ausgeprägten Spazierengehens, erholsam war und mich glücklich gemacht hat.  

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